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ISO 15118: Wenn Auto und Wallbox miteinander sprechen

Was ISO 15118 zwischen Elektroauto und Ladepunkt regelt, wie Plug & Charge funktioniert und warum ISO 15118-20 für V2G wichtig ist.

Praxisnah eingeordnetStand September 2026
04ISO 15118
& LADEN

Ladekommunikation erklärt · Stand 6. September 2026

ISO 15118 ist die Sprache zwischen Auto und Ladepunkt

Beim Laden müssen Elektroauto und Ladeeinrichtung mehr austauschen als nur Strom. Sie müssen sich über Ladeparameter, Freigaben, Leistungsgrenzen und – je nach System – auch über Identität, Zertifikate und bidirektionalen Energietransfer verständigen. Genau dafür beschreibt die Normenfamilie ISO 15118 eine standardisierte digitale Kommunikation.

Was regelt die Norm?

ISO 15118 legt Kommunikationsabläufe zwischen Elektrofahrzeug und Ladeeinrichtung fest. Dazu gehören unter anderem der Aufbau der Kommunikationsverbindung, die Aushandlung von Ladeparametern, Informationen über den Ladezustand und – in neueren Teilen der Norm – Abläufe für bidirektionale Energieübertragung.

Wichtig: ISO 15118 ist keine einzelne „Wallbox-Funktion“. Ein Fahrzeug kann einzelne Teile unterstützen, ohne alle Funktionen der Normenfamilie zu beherrschen.

Was ist Plug & Charge?

Plug & Charge ermöglicht, dass sich ein kompatibles Fahrzeug gegenüber einem kompatiblen Ladepunkt automatisch authentifiziert. Der Nutzer steckt das Kabel ein; die Identifikation und Autorisierung laufen im Hintergrund über digitale Zertifikate. Vor allem beim öffentlichen Laden kann damit Karte oder App als zusätzlicher Startschritt entfallen.

Dafür müssen Fahrzeug, Ladepunkt, Backend und Vertrags- beziehungsweise Zertifikatsinfrastruktur zusammenspielen. Dass ein Auto „ISO 15118 unterstützt“, bedeutet deshalb noch nicht automatisch, dass Plug & Charge an jedem Ladepunkt funktioniert.

ISO 15118-2 und ISO 15118-20 – was ist der Unterschied?

ISO 15118-2 gehört zur ersten Generation der höheren Kommunikationsschichten und bildet unter anderem die Grundlage für viele heutige Plug-&-Charge-Anwendungen. ISO 15118-20:2022 ist die zweite Generation der Netzwerk- und Anwendungsschicht. Sie erweitert die Möglichkeiten und definiert ausdrücklich Kommunikationsnachrichten und Abläufe für bidirektionalen Energietransfer.

Warum ist ISO 15118-20 für V2G wichtig?

Damit ein Auto nicht nur Strom aufnimmt, sondern kontrolliert wieder abgibt, müssen Fahrzeug und Ladeeinrichtung Richtung, Leistung und Betriebszustände zuverlässig koordinieren. ISO 15118-20 stellt dafür einen standardisierten Kommunikationsrahmen bereit.

Die Norm allein macht aus einer Wallbox aber noch kein V2G-System. Zusätzlich müssen Leistungselektronik, Schutztechnik, Fahrzeugfreigabe, Messung, Energiemanagement und die Anforderungen des Netzanschlusses passen.

AC und DC spielen eine Rolle

Bei DC-Ladesystemen sitzt die wesentliche AC/DC-Leistungselektronik in der Ladeeinrichtung. Bei AC-Lösungen muss das Fahrzeug selbst einen geeigneten bidirektionalen Onboard-Lader besitzen. Deshalb kann dieselbe Kommunikationsnorm in technisch sehr unterschiedlichen Systemarchitekturen eingesetzt werden.

Was sollte auf einem Wallbox-Datenblatt stehen?

Für Endkunden sind konkrete Freigaben wichtiger als ein allgemeines ISO-Logo. Relevant sind insbesondere:

  • welche ISO-15118-Version beziehungsweise welche Funktionen implementiert sind
  • ob Plug & Charge tatsächlich unterstützt wird
  • ob bidirektionales Laden unterstützt wird und in welcher Richtung: V2H oder V2G
  • welche Fahrzeuge freigegeben sind
  • ob AC oder DC bidirektional gearbeitet wird
  • welche maximale Lade- und Entladeleistung möglich ist
  • welche Schnittstelle zum Energiemanagement vorhanden ist
  • welche Länder- und Netzfreigaben für den Rückspeisebetrieb bestehen

Was ISO 15118 nicht regelt

Die Norm ersetzt weder die Elektroinstallation noch das Netzanschlussverfahren. Sie entscheidet auch nicht über § 14a EnWG, Zählerkonzept, Einspeisevergütung, Schutzkonzept oder die Zulässigkeit einer konkreten Rückspeisung. Diese Ebenen müssen getrennt geprüft werden.

Warum das für die Planung heute schon relevant ist

Wer heute Ladeinfrastruktur neu installiert, kann spätere Optionen offenhalten: ausreichend dimensionierte Zuleitung, geeigneter Zählerplatz, Netzwerkverbindung, Energiemanagement und ein Ladepunkt mit dokumentierter Kommunikations- und Update-Strategie. Das ist meist sinnvoller, als allein auf ein zukünftiges Feature-Versprechen zu setzen.

Quelle:
ISO 15118-20:2022 – Road vehicles — Vehicle to grid communication interface — Part 20. Ergänzend: ISO-15118-Normenfamilie sowie technische Herstellerfreigaben. Normtexte werden nicht wiedergegeben, sondern hier für Endkunden eingeordnet.

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